Erwartungen (Sommer, Tuch, Herbst…)

Heyho ihr Lieben,

Ich habe vor kurzem etwas begonnen. Es sollte eigentlich nur in der Zeit gestrickt werden, in der ich auf meine Tochter warte während der Kita-Eingewöhnung. Eigentlich dachte ich, dass das Tuch fertig sein würde, wenn wir durch sind mit der Eingewöhnung. Diese Erwartung setzte mich unter Druck. Das Tuch wurde nicht fertig. Ich habe sogar noch ein anderes Projekt eher fertig gearbeitet.

mein Bild, meine Arbeit, meine Anleitung und ja…Das bin ich aus der Sicht meines Mannes beim Stricken.^^

Die Idee, ein Tuch zu stricken, welches ausschließlich während der Eingewöhnung bearbeitet wird, fand ich wundervoll. Leider ist es nicht nur das Tuch, was meinen Erwartungen nicht entspricht.

Der Sommer ist nun wohl vorbei und meine Erwartung, noch einmal in die Ostsee zu springen, löst sich gerade auf. Gestern war so ein schöner Tag und ich war/bin erkältet und kann nicht ins Wasser. :(…Ok, dann muss der Herbst eben super werden! So ein richtig toller Herbst mit bunten Blättern und sonnigen Spaziergängen! Das erwarte ich von ihm verdammt noch mal! Realistisch betrachtet wird es bestimmt ein regenreicher Herbst mit viel Wind. Dafür muss das Tuch fertig werden. Aber was ist, wenn das Tuch wieder nicht zu mir passt? Werde ich dann wieder meine industriegefertigten Schals tragen? Ist es nicht peinlich, als passionierte Strickerin/Häklerin, ein gekauftes Produkt zu tragen? Müsste ich nicht eigentlich meine Familie und mich nur in selbstgefertigten Kleidungsstücken aus dem Haus lassen? Erwartet man das jetzt nicht von mir?

mein Bild…Ich sitze auf dem Rasen und schaue mir die Wolken an.

Wie sieht es mit diesem Blog aus? Erwartet man da als Leser nicht eine gewisse Unterhaltung bzw. einen Nutzen? Ist es nicht furchtbar, nicht diesen Erwartungen zu entsprechen? Sollten hier nicht eine tolle Anleitung nach der anderen kostenlos auf meine Leser warten? Wenigstens ein paar Tutorials? Ist ein Gelaber, wie dieses, überhaupt ausreichend, um zum Lesen zu animieren?

Fragen über Fragen…Ich frage mich auch seit geraumer Zeit, wie es weitergehen soll nach meiner Elternzeit. In meinem Kopf ist es einfach logisch, dass eine Frau, wenn ihre Kinder in der Kita sind, arbeitet. Sie muss etwas leisten. Zuhause sein und das Heim schön machen, mag vielleicht für manche funktionieren. Aber ich fühle mich so nicht wohl. Andererseits weiß ich auch nicht, ob es klug wäre, irgendetwas zu machen, nur um den Erwartungen zu entsprechen. Welcher Arbeitgeber sucht eine Mutti, die kaum zur Verfügung steht und nicht flexibel ist. Es wird doch stets erwartet, einen Arbeitnehmer zu finden, der rund um die Uhr für die Firma da ist, im Ausland war, studiert hat, mehrjährige Berufserfahrung hat und natürlich bereit ist, befristet zu arbeiten. Gerne soll man sich auf Zeitarbeits-Annoncen melden, wo nicht einmal klar ist, für welche Firma man sich bewirbt.

Kann es das alles sein? Ist es das wert? Woher kommen all diese Erwartungen? Welche Stimme sagt mir ständig: „Das ist nicht genug!“ In allen Bereichen versuche ich perfekt zu sein. Doch ist es nicht das Unperfekte, was letztendlich uns ausmacht? Die kleinen Fehler an unseren Projekten, an unseren Kindern, an unseren Partnern, die uns faszinieren und einzigartig machen?

Wäre es denn wirklich schlimm, wenn Erwartungen nicht gehalten werden? Wird es dann gleich zu einer Enttäuschung?

Fakt ist: Aktuell möchte ich vieles, aber vor allem meine Erwartungen sind zu hoch. Ich kann mir gerade nicht gerecht werden. Diese Superfrau, die ich stets sein wollte, bin ich nicht. Damit muss ich klar kommen. Ich bin Rini und bin unperfekt.

Wünsche euch noch einen wolligen Mittwoch,

Liebe Grüße

Rini

4 Gedanken zu „Erwartungen (Sommer, Tuch, Herbst…)

  1. Antje sagt:

    Hallo Rini,

    ich glaube jeder sieht sich so. Ich bin Perfektionistin und musste erst lernen, dass „Fehler“ Unikate aus machen. Sei es im Leben oder beim Handarbeiten, Basteln usw. Würden wir keine Fehler machen denn wären wir Maschinen, jeder wäre gleich und wer will denn schon so sein wie die anderen, was wirkt denn an einem noch liebenswert oder interessant wenn man so ist wie der Rest der Welt? Dazu kann ich als IT-lerin hinzufügen, dass selbst Maschinen nur so perfekt sind wie Ihre „Schaffer“ und auch Maschinen haben ihre Montage 😉
    Wie sagt man so schön: „Bei den meisten Fehlern liegt der Fehler 30cm vor dem Monitor, außer bei Druckern, Drucker hassen die Menschheit“ 😀

    Ich versuche mir in solchen Situationen, des Frustes über das Unperfekt sein, mir vor Augen zu halten was ich schon alles geschafft und erreicht hab.
    Ich habe ein Haus, viele erwarten, dass ich es draußen schön habe und jedes Wochenende Unkraut jäte usw. ja genau diese Erwartungen… Und weißt du was? Ich tue es nicht!… Oftmals aus Trotz und Rebellion mir nicht den Zwang der Gesellschaft aufzuerlegen. Ich bin berufstätig und das auch noch Auswärts, sodass ich jeden Tag zusätzlich zu meinen 8h Arbeitszeit noch 2h Fahrzeit habe. Wir sind am Umbauen eines alten Hauses, da habe ich andere Sachen zu tun, als mich in den Vorgarten zu setzen und vor den Erwartungen der Gesellschaft nieder zu knien.

    Ui was ein langer Text. 😀

    Wie du siehst, es geht anderen auch so, jeder ist auf seine individuelle weise perfekt unperfekt 🙂

    Liebe Grüße
    Antje

    PS: Du siehst, es fühlen sich auch Leute durch solche Blogbeiträge angesprochen 🙂

  2. riniswollkiste sagt:

    Hallo Antje,

    Vielen lieben Dank für diesen wunderbaren Kommentar! 🙂 Du hast recht! Manchmal sollte ich vielleicht auch eher sein, was ich schon habe und nicht immer nur, was ich haben möchte. Unkrautjeten muss nicht unbedingt sein. Gibt zig „Unkräuter“, welche essbar sind. Außerdem bieten sie den Insekten eine schöne Lebensgrundlage. xD „Drucker hassen die Menschheit!“ Toll! Freut mich sehr, dass ich nicht allein bin mit der Einstellung.

    Renovieren ist doch immer was feines. Haben hier auch gerade ein kleines Projekt. Das Kinderzimmer wird gestrichen. 🙂 Freu mich schon sehr auf die Augen unserer kleinen Mädels.:)

    Wünsche viel Erfolg und Spaß beim Umbau des Hauses! 🙂

    Liebe Grüße

    Rini

    PS: Es lag mir auf dem Herzen, das Thema mal anzuschneiden und daher ist es noch schöner zu sehen, dass er manche Leute anspricht. 🙂

  3. Anna sagt:

    Hallo Rini,

    ich kann so sehr mit dir mitfühlen! Mir geht es genauso. Ich würde dir so gerne helfen. Auf jeden Fall bist du damit nicht allein und ich finde es mutig, dass du offen und ehrlich das Thema niederschreibst. Danke!

    Vielleicht kannst du etwas aus meinen Erfahrungen nutzen. Mir hat jemand geraten, dass Wort „muss“ aus meinem Wortschatz zu streichen.
    Außerdem erinnere ich mich in solchen Phasen, an einen bestimmten Moment, in dem ich mich ganz frei gefühlt habe und atme tief durch. Danach machen all die Dinge wieder Freude.

    Es ist unglaublich schwer inne zu halten, zu ruhen und ich wünsche dir alles Gute.

    Herzliche Grüße
    Anna

    • riniswollkiste sagt:

      Hallo Anna,

      Es ist schön, dass ich nicht damit allein bin! Oft habe ich den Eindruck, andere können alles und ich mache vieles falsch. Danke dir für dein liebes Feedback! Ich hasse es, wenn manche Themen stillschweigend hingenommen werden. Wenn man nur Positives liest/sieht. Das ist nicht echt. Traurigkeit, Frustration und auch Misserfolge gehören zum Leben und deswegen schreibe ich darüber. Ich möchte mich von den Zwängen befreien, an die ich geglaubt habe. Ich möchte Betroffenen zeigen, dass es nicht immer so ist, wie es scheint. Mich regen diese ganzen geschönten Bilder /Geschichten auf. Es soll auch nicht alles traurig sein. Aber es kann nicht angehen, dass es Frauen so dermaßen schwer gemacht wird, zufrieden zu sein. Egal, was man macht als Mama, es ist falsch.

      :)Daran habe ich die letzten Tage immer wieder gedacht. Tatsächlich ist das Wort „muss“ sehr sehr oft in meinem Kopf. Ich versuche gelassener zu sein und auch mal fünf gerade sein zu lassen. 🙂 Vor allem helfen mir meine kleinen Pausen und „Alltagsinseln“, die ich irgendwie in den Alltag einbaue. Eine nette Serie schauen und dabei stricken oder auch mal rein gar nichts Produktives machen. 🙂

      :)Das sind gute Tipps. Danke dir dafür. 🙂 Ich habe auch noch immer unsere Hochzeitscollage an der Wand. Immer, wenn ich mir die Bilder anschaue, werde ich glücklich. Damals hat sich alles verändert und dafür bin ich dankbar.

      Ja…Gerade bei den ganzen Dingen, die uns umgeben, ist eine Reizüberflutung vorprogrammiert. Manchmal mache ich auch mal alles aus und schaue mir meine Wohnung an oder beobachte, wie sich die Blätter im Wind bewegen. Doch die Gedanken kreisen sehr sehr gerne.

      Ich hoffe, wir kommen da beide raus. Ich wünsche dir ebenfalls alles Gute.

      Liebe Grüße

      Rini

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