Menschlich sein

Es ist mir egal, dass auch dieser Beitrag vielleicht nicht aus Wolle und Anleitungen besteht, wie manch einer vielleicht erwartet hätte. Ich habe das Gefühl, nun über etwas anderes schreiben zu wollen.

2 Wochen ist meine OP nun her und ich habe eine unfassbar tolle Hilfe bekommen. Nicht nur im körperlichen Sinn, sondern auch im menschlichen Sinn. Sie ist einfach toll! Sie hilft mir im Haushalt, mit meinen Kindern und wir klönen sehr gerne. Eigentlich ist sie eine Haushaltshilfe, aber sie ist so viel mehr. Dadurch habe ich gemerkt, wie sehr mir dieses Klönen gefehlt hat. Ja, es gibt viele Menschen in meinem Leben, mit denen ich gerne mal schnacke. Dennoch kann ich das nicht damit vergleichen. Es ist einfach schön, mit jemandem auch außerhalb der Familie mal richtig ein Gespräch zu führen.

Bin ich einsam? Jein…ich habe eine Familie, die sehr groß ist und zu den meisten habe ich regen Kontakt. Das tut gut. Aber naja…im Alltag sieht es anders aus. Wenn ich wieder fit bin, wird es wieder eher ruhig sein. Wo jetzt noch lustige Gespräche, traurige Geschichten und schöne Erlebnisse lautstark durch die Wohnung hallen, wird bald wieder eine Stille eintreten, die hin und wieder von meiner Kleinen unterbrochen wird. Ich möchte nicht jammern, aber tue es doch irgendwie. Hier treffe ich oft Leute, aber die Gespräche sind sehr oberflächlich und hmm…Es fühlt sich komisch an. Man lacht, man quatscht…man sagt:“Tschüss…“Das war es auch schon. Vorhin habe ich bei ebay Kleinanzeigen einige Annoncen gelesen, wo Menschen Gleichgesinnte suchen. Sie wollen jemanden finden, mit dem sie reden, Spiele spielen, kochen, tanzen oder auch weggehen können. Sie suchen alle Gesellschaft. Früher hätte ich mich gefragt, wie verzweifelt man sein kann, so etwas zu tun. Heute frage ich mich, wer auf so etwas antwortet? Denn die Frage, wieso jemand auf die Art sucht, konnte ich nun beantworten: Einsamkeit.

Wie kommt es, dass so viele Menschen einsam sind? Wie kann es sein, dass ich weder meine Nachbarn namentlich kenne, noch weiß, ob die Frau gegenüber vielleicht Hilfe mit ihren Zwillingen benötigt? Wie kann es sein, dass Menschen in ihrer Wohnung sterben und es fällt erst auf, wenn es anfängt, zu riechen?

Wann haben die Menschen aufgehört, menschlich zu sein? Kann es nicht auch anders sein? Ist es eine Träumerei, zu denken, dass man auch fremden Menschen helfen kann? Woher kommt all die Angst? Wieso helfen viele Menschen der Frau mit dem Kinderwagen nicht? Wieso nickt man einander zu, ohne zu sehen, ob derjenige in Not ist?

Jeder hat sein Päckchen und ich gebe zu, dass ich eben nicht besser bin. Fällt jemandem etwas runter, hebe ich es auf. Möchte jemand in ein Geschäft, halte ich die Tür auf, wenn ich es sehe bzw. kann.

Aber ich habe keine Ahnung, wie meine Nachbarn heißen.

Nachbarschaftshilfe…Augen offen halten…Nächstenliebe…All das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, stattdessen gibt es eher Groll und die Ellbogengesellschaft zeigt ihre hässliche Fratze.

Menschen, die auf der Strecke bleiben, werden liegen gelassen und das ist ein verdammter Fehler! Bitte, danke…Auf wiedersehen…Standardwörter in der Stadt und dann hat man noch Glück.

Meine Haushaltshilfe macht eine bemerkenswerte Aufgabe: Sie unterstützt mich überall. Sie geht in ihrer Arbeit auf und erhellt mir meine schwere Zeit nach der OP. Wir lachen, weinen und blödeln rum! Ich fühle mich glücklich…nicht mehr einsam.

So geht es verdammt vielen Menschen. Es ist völlig egal, was man von außen vielleicht denkt. Oft sind es eben Menschen, wo man es nicht erwartet. Menschen brauchen Menschen! Leider klappt das nicht immer und sogar Leute in meinem Alter sind einsam. Sozial isoliert…

Ich weiß, dass dieser Beitrag nicht die Welt ändern wird, aber wenn es auch nur eine Person zum Nachdenken/Umdenken bringen könnte, war es schon ein Erfolg. Normalerweise würde ich nun von meinem Strickprojekt reden, aber das kann ich gerade nicht.

Wünsche euch dennoch einen wolligen Donnerstagabend und schaut mal nach links und rechts. Vielleicht ist da jemand, der Hilfe braucht. Lasst uns wieder mehr aufeinander achten!

Liebe Grüße

Rini

5 Gedanken zu „Menschlich sein

  1. Marion sagt:

    Oh mann….Wie recht du hast. Danke für die Anregung. Ich bemühe mich auch immer,aber nach deinen Zeilen merke ich das es viel zu wenig ist.
    Danke dir und ich wünsche dir weiterhin eine gute Genesung!
    Liebe Grüße Marion

    • riniswollkiste sagt:

      Hallo Marion,

      Freut mich sehr, dass du mir recht gibst. 🙂 Gerne, gebe ich Anregungen. 🙂 Jeder tut das, was er kann. Klar, gibt es immer jemanden, der mir schafft/macht, aber ein wenig kann auch manchmal helfen. Danke 🙂 Bisher sieht es schon ganz gut aus. Ich schätze, ich könnte vielleicht im August wieder fit sein…mal sehen.
      Wünsche Dir einen schönen Abend. 🙂

      Liebe Grüße

      Rini

    • riniswollkiste sagt:

      Hallo Marion! Danke für deine Zustimmung. Das ist doch super. Sei stolz darauf, dass du dich bemühst. Allen wird man wohl niemals gerecht werden, aber manchmal sind es auch kleine Gesten, die jemandem viel helfen können. Schön, dass ich dich zum Nachdenken anregen konnte. Das war genau meine Intention. Danke liebe Marion, es geht bergauf und das fühlt sich gut an. Ich kämpfe mich zurück in ein normales, hoffentlich schmerzfreies Leben.

      Liebe Grüße

      Rini

  2. Birgit sagt:

    Liebe Rini und follower,
    Ich war immer für andere da. 43 Jahre kümmerte ich mich um alle und jeden.
    Nachbarschaftshilfe sogar als Sterbebegleitung.
    Alles – wirklich alles hab ich getan.
    Für nix.
    So sind meine Brüder und ich erzogen worden

    Erst die Mutter, dann Vater, dann alke anderen

    Auch wenn du sie nicht kennst.
    Immer für alle und jeden das letzte geben.

    Wenn du danach noch kannst und Kraft hast, darfst du dich um dich selbst kümmern. …

    Ist ja klar, wohin das nach der Trennung von meinem Mann geführt hat…..

    Schamlos wurde ich ausgenutzt.
    Egal – hab auch viel Erfahrungen dadurch gesammelt.
    Und unbezahlbare Wissen dadurch erlangt.

    Nur muss ich noch lernen „Nein“ zu sagen.
    Damit ich endlich meine Ruhe bekomme.

    Manchmal ist es besser laut „Stopp“ zu rufen, als zu schlucken.

    Stopp – kann ich auch rufen, wenn ich eben dieses
    Verhalten unserer Mitmenschen nicht mehr respektieren möchte.

    Die Wandlung des Verhaltens unserer Mitmenschen geschah schleichend.
    Seit xa 1990 geschah dies……

    Liebe Grüße aus Bayern

    • riniswollkiste sagt:

      Hallo Birgit! Das ist furchtbar, was du durchmachen musstest. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das gewesen sein muss. Im kleinen Rahmen weiß ich, wie es ist, ausgenutzt zu werden. Dennoch kann es nicht sein, dass so viele Menschen seelisch und körperlich auf der Strecke bleiben. Es gibt zig Gründe, wieso die Situation droht zu eskalieren. Rente, Steueroasen und und…Das würde hier nun ausufern, aber das Menschliche dürfen wir nicht verlieren! Klar, das Ganze hat Grenzen. Man sollte sich nicht selbst verlieren. An erster Stelle sollte das eigene Wohlbefinden schon sein, aber eben nicht nur. Wenn du es nicht mehr kannst, ist es sehr bedauernswert. Dennoch ist es wichtig, dass du wieder gesund wirst. Jeder so, wie er kann! Ich kann gerade bis auf Reden, Schreiben auch nicht so viel. Es ist nur temporär. Aber so spüre ich, wie sich vielleicht manch älterer/kranker Mensch fühlt. Ich kann nicht so raus gehen, wie ich es noch vor einiger Zeit konnte. Ich bin abhängig von anderen.

      Ich hoffe sehr, dass du irgendwann wieder in der Lage bist, zu vertrauen und an Leute gerätst, die dich nicht ausnutzen! Das wünsche ich dir von ganzem Herzen.

      Liebe Grüße

      Rini

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