Unbeschwertheit bevor es ernst wird…

Hallo ihr Lieben,

Es ist sehr viel in kurzer Zeit passiert und ich möchte euch gerne ein paar Dinge erzählen bzw. mir von der Seele schreiben. Ich hatte am 30.05.2017 das Adhäsions-MRT. Da dort nichts gefunden wurde, musste es weitergehen mit der Diagnostik. Am 13.06. ging es zum Gespräch ins UKSH. Uff…man…Ich wusste ja, was für ein Gespräch das wird, aber dort zu erfahren, dass es in einer Woche ernst wird, hat mich umgehauen. Mein Mann und ich waren völlig überfordert mit der Situation. Wir konnten nur so weit denken, dass es bitte nicht am Geburtstag meiner Großen stattfinden sollte…Naja…Der Termin stand fest: 21.06.2017. Ich konnte nicht mehr warten. Die Schmerzen waren zu immens, um es noch länger aushalten zu können.

Ich erzählte meiner Familie davon und die Reaktionen waren unfassbar lieb! Meine Mutter und meine Großeltern wollten, dass ich es mir ein letztes Mal vor der OP richtig gut gehen ließ. Sie sponserten meinen Kieler Woche-Ausflug zu meiner kleinen Schwester. Ursprünglich wollte sie, dass ich mit ihr auf die KiWo geh und wir einfach ganz viel Spaß haben und ich nicht mehr an die OP denken muss. Mein Bruder schloss sich uns an und es war unglaublich!

Dies habe ich unterwegs geschrieben:

10:45 am 17.06.2017 ich sitze im Zug nach Lübeck Hbf…Es ist das erste Mal seit 2014, dass ich weiter fahre als bis nach Lübeck…zumindest allein.

mein Bild

Keine Kinder, kein Benni, keine Verpflichtungen…Nur ich und die Bahn…

Ich fahre zur Kieler Woche! Dort war ich seit 2006 nicht mehr ohne Benni! OMG…Das ist schon heftig für mich! Aber ich freu mich! Dort treffe ich meine Geschwister! Leider nicht alle…Aber dennoch kam dies das letzte Mal in meiner Teeniezeit vor, dass wir dort alle zusammen sind. Bin schon aufgeregt, wie es wird. Wie ich mich fühl! Was für Gerüche dort wohl sein werden? Es ist das letzte Mal Kieler Woche in diesem Jahr für mich. In 4 Tagen werde ich operiert…Ich habe Angst und freue mich zugleich! Endlich wird etwas passieren!

Bis dahin ist jeden Tag etwas los! 11:04 Uhr sitze im Zug nach Kiel! Schon komisch…2014 saß ich das letzte Mal allein im Zug nach Kiel, als ich unsere Wohnung fand. Damals war ich schwanger. Nur sind 3 Jahre vergangen und ich bin Mama von zwei Kindern. Hätte ich es bei einem Kind belassen, müsste ich mich nicht operieren lassen. Jedoch würde ein kleiner Sonnenschein in meinem Leben fehlen! Die beiden lieben sich und ich liebe sie! Auch, wenn ich gerade furchtbar leiden muss, bin ich meiner Kleinen nicht böse.

Wir fahren…Ich sitze allein auf meinem Platz und schreibe all das auf. Ganz altmodisch benutze ich ein Buch. Ja, kein Notebook, sondern ein echtes mit Papierseiten! Ich habe nichts zum Häkeln oder Stricken mit! Irgendwie hatte ich Angst, dass es nicht erlaubt ist, sowas auf die KiWo mitzunehmen.

Hysterisch oder berechtigt? Ich hätte meine Handarbeitsfedertasche mitgenommen. Diese enthält aber einen Fadenabschneider. Falls jemand Böses wollte, könnte man ihn als Waffe nutzen. Andererseits kann man ALLES als Waffe nutzen! Sogar unsere heißgeliebten Wollknäule könnte man als potenzielle Gefahr ansehen! Strangulieren, erschlagen, ersticken…Die Knäule sollten nur  mit Waffenschein verkauft werden! Zudem müsste mehr über die Gefahren informiert werden!

Ich habe nur mein Buch und meinen Kuli mit. Nichts anderes zum Zeitvertreib!

Komisch…Heute ist nichts fest! Ich weiß nur, dass wir uns in Kiel um 12:15 Uhr treffen. Wie lange wir unterwegs sein werden, wo wir essen, was wir essen, wann ich wieder zuhause bin…KEINE Ahnung! Es ist mir vollkommen egal! Ich lasse mich treiben! Ich bin mal nicht diejenige, die sagt, wo es lang geht. Heute nicht! Ob ich das kann?

Stricken, häkeln…Ich spar es mir auf für den Krankenhausaufenthalt. Da kann ich das gebrauchen. Jetzt würde es zu sehr ablenken.

Foto von einem Plakat des UKSH….Ich habe es nur fotografiert. Die Grafik ist nicht von mir.

….Krankenhaus….

Mein Bauch

Ich bin nicht dünn wie Lauch! Ich habe einen Bauch! Er wird bald wieder aufgemacht! Hoffentlich weniger als gedacht! Er ist nicht gesund! Drum wird er bald wieder bunt! Ein Schlauch kommt in meinen Bauch, ein paar Geräte auch!

OP…Oh nee…Oh weh!

Ich will da nicht rein! Ich lass es einfach sein!

Krämpfe kommen und gehen!

Ich will den OP nie wieder sehen!

Nadel in meinem Arm!

Was soll der ganze Schmarn?

Die Schmerzen gehen weg!

Ich lass den Dreck!

Schweiß, Angst…Der Schmerz ist da und das schon über ein Jahr!

Ich könnte kotzen!

Möchte nicht ständig motzen!

Was soll der ganze Scheiß?

Bald ist alles wieder weiß!

Was werden sie finden? Werden die Schmerzen verschwinden?

Wird alles wieder gut oder kommt wieder Blut?

Kann es ein Leben ohne Schmerzen geben oder muss ich damit leben?

Haben sie dieses Mal Ahnung oder wird es eine Warnung?

Darf ich Ihnen vertrauen oder werden sie es versauen?

OP…Oh nee…Oh weh!

(Das waren die Gedanken 4 Tage vorher.)

Kurz vor der OP hatte ich keine Angst. Immerhin war einen Tag vor der OP der 3. Geburtstag meiner Großen. Es war ein so schöner Tag! Das Wetter spielte mit. Mein Mann und ich schafften es sogar, Geburtstagskuchen zu backen. Meine Torte war in Herzform mit Erdbeeren, Quark und Sahne! Unsere Große war sooooooooooo glücklich! Ich musste zwar noch einige Dinge erledigen, während des Geburtstages aber selbst ich, Perfektionistin/Dauernörglerin, war sehr zufrieden mit dem Tag. 🙂

21.06.2017….Die OP steht an. Ich bekam einen sehr fiesen OP-Termin: 6 Uhr morgens. Ich musste vorher einige Stunden nüchtern sein und durfte zwei Stunden vorher nichts mehr trinken. Um ja pünktlich zu sein, bestellte ich mir sehr früh ein Taxi…4:45 Uhr. Immerhin war ich mir bewusst, dass es min. 30 Minuten Fahrt sind. Naja, dass es tatsächlich erst um 6 Uhr losging, konnte ich nicht ahnen. Ich fühlte mich flau und langsam kam die Angst. Völlig allein im Krankenhaus zu sein ist nicht gerade mein Lieblingsszenario. Ursprünglich wollte mich mein Mann begleiten, aber bei der Uhrzeit kam es nicht hin.

mein Mann und mein Bild

Die ganze Vorbereitung war nervenaufreibend. Ich bekam eine Beruhigungstablette und dann…Dann ging es los. Ich erinnere mich daran, dass ich eine Maske aufbekam und müde wurde. Als ich wieder aufwachte, war es wuselig und laut um mich herum. Ich befand mich im Aufwachraum. Überall waren Kabel und Schläuche. Eigentlich war es völlig egal, da ich immer wieder wegdöste. Nach einer Weile wurde ich in mein Zimmer geschoben. Vor meinem Zimmer sah ich einen Mann mit einem kleinen süßen Mädchen auf dem Arm—-> Benni und unsere Kleine. 🙂 Ich bekam sofort gute Laune und lachte beide an! Es war schön, die beiden zu sehen. Nach wenigen Minuten mussten sie aber wieder los. Ich war allein. Irgendwann bekam ich eine Zimmernachbarin. Das war gut. Endlich konnte ich mit jemandem reden und wir halfen uns gegenseitig.

mein Fuß mit Thrombosestrumpf im Krankenhaus, mein Bild

22.06.2017….Essen, trinken und auf Klo geht alles nicht…——-> Katheter und Infuisonen

23.06.2017  Geil! Ich kann allein auf Klo! Ich habe keinen Katheter mehr! Ich habe keine Bronüle mehr! Ich kann auf dem Flur herumwandern! Musik hören per Radio/Telefon! Ich schließe die Augen und bin bei meiner Familie! Bei meinem Chaos…bei meinen süßen Kindern…bei meinem Mann!

Ich werde gesund! Mein Bauch tut weh, aber das ist normal! Alles wird gut! Nachteil bei einem Radio ist leider die mangelnde Vielfältigkeit. Ich empfange leider kein Radio Bob! Hach…das hören wir beide immer zusammen! Ich liebe Dich so unendlich! Was Du schon alles mit mir durchgemacht hast, reicht für mehrere Leben!

Ich kann es kaum erwarten, wieder bei Dir/Euch zu sein! Auch, wenn ich nun viel Zeit für mich habe, fehlt mein „Chaos“ mir. Kein „Duplostolpern“, keine „nervigen“ Puschen, die im Weg stehen…keine Gute-Nacht-Küsschen!

Kein Geschrei, Windelgeruch, kein Stress…Komisch was einem alles fehlen kann! Ob ihr es glaubt oder nicht, aber ich wach täglich gegen 5 Uhr auf! Ich geh früh pennen. Wir haben auch nur 12 Sender. Vielleicht liegt es daran? Endlich wieder ein gutes Lied!

meine Beine ohne Thrombosestrümpfe im Krankenhausbett, mein Bild

Sunrise Avenue———> Fairytale gone bad!

So geil! LAUT! Ich hör es laut (mit Kopfhörer) und ich habe keine Thrombosestrümpfe mehr an! YEAH! Der verdammte Schmerz muss

OUT OF MY MIND!

OUT OF MY HEAD!

OUT OF MY LIFE!

LEAVE THIS MESS BEHIND!

Genau das werde ich tun! Es wird alles super!

mein Bild, meine Arbeit und mein Körper

PS.: Ein wenig zum Häkeln kam ich auch. 😉 Davon berichte ich das nächste Mal. 😉

Wünsche euch einen wolligen Montag! =)

Liebe Grüße

Rini

2 thoughts on “Unbeschwertheit bevor es ernst wird…

  1. Liebe Rini,ich bin zufällig pber deinen Blog gestolpert und du hast mir mehrmals ein Lächeln auf meine Liopen gezaubert …….ich weiss nicht.was für eine OP du hattest aber ich wünsche dir gut.Besserung lg

    1. Hallo Paula,

      Vielen Dank für deine lieben Worte. 🙂 Schön, dass ich dich zum Lächeln bringen konnte. 🙂 Es handelte sich eher um einen kleineren Eingriff, aber bei meiner Vorgeschichte hatte ich Panik. Zum Glück ist alles gut gegangen. Mir geht es jeden Tag ein wenig besser.

      Liebe Grüße,

      Rini

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