Adhäsions MRT

Hallo ihr Lieben!

Es tut mir leider, aber ich werde heute keinen Beitrag über meine Wollreste schreiben. Aus gegebenen Anlass muss ich mir etwas von der Seele schreiben. Ich hoffe, ihr seid mir nicht böse.

Der Mai geht zu Ende und während alle sich auf den Sommer freuen, kann ich nicht aufhören, zu denken. Ich habe es nun gut 3 Monate geschafft, nicht daran zu denken, was Ende Mai stattfinden wird. Doch das ist eigentlich nicht richtig. In Wirklichkeit verging kaum ein Tag, an dem meine Gedanken nicht wieder zu dem Ort schweiften, wo ich einst Sicherheit empfand. Dieser Ort ist für mich nun eher ein Ort der Unsicherheit geworden. Ich vertrau niemandem mehr dort. Ich weiß, dass es morgen eine andere Klinik sein wird. Es werden andere Ärzte sein. Aber es sind nur Menschen und Menschen haben mir das letzte Mal beinah mein Menschdasein zerstört. Ich wäre beinah tot. Ich hatte Glück, dass eine Ärztin mir helfen konnte. Sie gehörte nicht zur Klinik, sondern wollte mich besuchen. Sie wollte nach mir und meiner Jüngsten gucken. Sie wollte einen normalen Besuch bei einer frischgebackenen Zweifachmama. Sie wollte sehen, wie es mir geht nach der Ruptur. …Leider fand sie noch viel mehr als eine Mama mit ihrem Baby. Sie sah eine Frau, die kaum noch Farbe im Gesicht hatte. Sie sah eine Mama, die keine Kraft hatte, ihre Tochter auf den Arm zu nehmen. Sie sah eine Frau, die mit dem Tod ringte, ohne dass es jemand anderes ebenfalls sah. Die Frau fühlte, wie sie schwächer wurde, aber da niemand ihr glaubte, vertraute sie nicht mehr in ihr Körpergefühl.

Sie hatte keine Ahnung, dass ihr Gefühl die ganze Zeit vollkommen richtig war. Sie schwebte in Lebensgefahr. Worte waren nur noch dumpf spürbar. Bewegungen fühlten sich schwer an. Gedanken waren kaum möglich. Sie war am Ende ihrer Kräfte. Nur die eine Ärztin wusste, wie ernst es wirklich war.

Das ist jetzt über ein Jahr her. Mir wurde stets gesagt, dass Schmerzen aufhören. Es würde alles wieder gut werden. Ja…ich habe aber weiterhin Schmerzen. Es ist nicht kalkulierbar, wann diese Schmerzen kommen und in welchem Umfang. Ich weiß nur, wenn ich sie habe, fühle ich mich versetzt in die Zeit, in der ich mehr tot als lebendig war. Ein Krankenwagen fährt an mir vorbei und ich zucke zusammen. Ich habe Angst, dass dieser Wagen mich mitnehmen möchte. Ich versuche noch alles zu genießen, bevor ich vielleicht wieder schlimmes erlebe. Ich weiß, dass morgen nichts passieren muss. Es ist nur eine verdammte Untersuchung, um zu schauen, ob noch etwas gemacht werden muss oder nicht. Eigentlich sollte ich mich auf morgen freuen, da ich dann endlich Gewissheit habe.

Eigentlich…Eigentlich habe ich Krankenhäuser geliebt. Früher dachte ich immer, dass dort nur Gutes passiert. Dort werden Menschen geboren, Menschen gerettet…Doch dort sterben auch Menschen. Mein Mann hasst Krankenhäuser, weil dort all seine lieben Menschen verstarben. Ich hasse ein bestimmtes Krankenhaus, weil ich dort nicht ernst genommen wurde. Ich wäre gestorben, wäre meine Ärztin nicht vorbei gekommen. Morgen wird sich herausstellen, ob meine schlimmste Befürchtung eintrifft. Morgen werde ich ein Adhäsions-MRT machen. Mir steigen Tränen in die Augen. Ich kann nicht mehr. Ich möchte morgen nur gute Nachrichten hören. Ich möchte den Sommer genießen. Ich möchte schwimmen und tauchen. Im Wasser fühl ich keine Schmerzen. Im Wasser habe ich keine Sorgen. Ich liebe das Wasser! Ich liebe den Strand. Ich liebe das Salz auf meiner Haut nach dem Baden. Ich liebe die unendliche Freiheit, die ich verspüre, wenn ich untertauche.

Steige ich aus dem Wasser bin ich glücklich. Gehe ich an dem Tag ins Wasser, bin ich stark. Stärker als jemals zuvor. Es ist mir dann egal, dass meine Kinder und mein Mann nölig sind. Ich habe plötzlich für alles eine Lösung. Ich bin dann eine Super-Frau. Ich habe alles im Griff. Auf einmal sind alle glücklich und wir verbringen einen entspannten Tag.

Ich bin es gewohnt, die Kontrolle zu haben. Deswegen hasse ich meine Geschichte. Zu oft hatte ich keine Kontrolle. Ich hatte keine Chance, etwas an meiner Situation zu ändern. Ich war dem ganzen Mist ausgeliefert. Ich musste hören, wie sie nach vielen Nähten verlangten. Ich musste fühlen, wie sich Blut in meinem Bauch sammelte. Ich musste hinnehmen, dass ich im falschen Krankenhaus war.

Ich musste warten. Warten, bis ich Gewissheit habe.

Ich beim Warten…(mein Bild)

Keine Ahnung, was morgen herauskommen wird. Ich kann auch nicht sagen, was ich mir wünsche. Wenn sie etwas finden, wird wohl eine weitere Op stattfinden. Eine weitere Op bedeutet für mich Todesangst. Die Angst, noch einmal an Idioten zu geraten, welche mein Leben leichtfertig aufs Spiel setzen, ist riesig.

Wenn sie aber nichts finden, muss ich wieder warten. Warten bis die Schmerzen aufhören. Vielleicht muss noch eine andere Untersuchung gemacht werden. Vielleicht ist es alles nur Einbildung, was auch nicht sonderlich gut wäre.

So oder so muss ich abwarten. Ich habe keine andere Chance. Warten ist scheiße! Ich hasse es! Immer, wenn ich warten muss, versuch ich etwas anderes zu machen. Meistens häkel oder strick ich. Dann finde ich es sogar akzeptabel. Aber diese Ungewissheit, die Angst…Alles sorgt dafür, dass ich wie gelähmt meine Kinder anstarre und mich frage, wie lange ich noch so unbeschwert da sein kann? Wenn eine Op stattfinden muss, kann ich nicht für die beiden da sein. Es bricht mir mein Herz, das alles noch einmal zu erleben! Ich frage mich seit der Geburt meiner Jüngsten, wieso ich dieses Organ noch  in mir habe?! Ich habe die Ärzte angefleht, mir die Gebärmutter rauszunehmen! Stattdessen wurde ich geflickt. Mein Körper besteht aus zig Nähten. Mal ist alles super und ich genieße mein Leben. Plötzlich zuckt ein Schmerz durch meinen Körper und ich sacke zusammen. Ich versuche noch normal weiter zu machen. Aber es geht nicht immer. Mein Mann, meine Kinder….Sie sehen es. Sie sehen, wie heftig meine Schmerzen sein können. Außerdem bekommen sie meine verdammten Launen ab. Es tut mir so leid, dass sie es erleben müssen. Ich wünschte, es gäbe eine Möglichkeit, meine Gedanken wenigstens einmal auszuschalten.

mein Bild (Ich liebe den Duft von Flieder!)

…Drückt mir die Daumen für morgen. Ich möchte endlich normal leben!

mein Bild, mein Mann mit einer stacheligen komischen Pflanze

Ihr seht auf dem Bild eine stachelige Pflanze. Als ich sie sah, dachte ich, ich müsste mich daran verletzen, wenn ich sie anfasse. Jedoch ist diese ganz weich. Ich fühle mich wie die Pflanze. Nach außen bin ich tough. Niemand soll sehen, wie weich ich doch eigentlich bin. Alle sollen denken, dass ich stark bin. Mitleid ist scheiße!

Ich wünsche euch allen viel Gesundheit und möget ihr nicht so einen Mist durchmachen, wie ich.

Wenn ihr die ganze Geschichte wissen wollt, könnt ihr euch meinen Gastbeitrag bei Motzibacke durchlesen. Vielleicht erscheinen euch meine Wörter dann nicht mehr so schwammig.

Lasst die Nadeln glühen und macht euch einen schönen wolligen Dienstagabend!

Liebe Grüße

Rini

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