Die Technik, die Gedanken und ich

Hey ihr Lieben,

Hattet ihr ein schönes Jahresende und besinnliche Feiertage? Mir taten diese besonderen Tage sehr gut. Ich habe viel gelacht, viele Menschen getroffen und noch mehr geredet, als sonst. Es ist doch etwas ganz anderes, seine Familie/ seine Freunde zu treffen, als „nur“ über das Internet/das Telefon zu kommunizieren. Jeden Moment, jedes Gespräch sog ich tief ein und speicherte es in meinem Herzen. Es war wunderschön. Lange habe ich nicht mehr diese Wärme und Geborgenheit gefühlt, wie zu diesen besonderen Tagen.

Kaum waren die Feiertage um, stand Silvester vor der Tür. Ich freute mich jeden Tag mehr auf unser erstes Silvester zu 4. Mulmig war mir schon zumute…Wir hatten schließlich ein Silvester mit 3 kleinen Kindern geplant. Okay…wir waren 3 Erwachsene und 3 Kinder…Eigentlich sollte man das doch hinbekommen. Eigentlich…

Da bereits seit Anfang Dezember stetig mehr geböllert wurde, wussten wir schon, wie unsere Große auf Böller und Raketen reagiert: „ANGST!“ …Große aufgerissene Augen starrten mich an und sagten immer wieder:“ANGST!“ Ich versuchte, sie zu beruhigen, aber es half nichts. Also entschlossen meine Mann und ich, Silvester auswärts zu feiern, wo nicht viel los ist. Die Idee, bei meiner Freundin zu feiern, kam mir spontan bei einem unserer Treffen. Wir waren alle sehr aufgeregt, wie es denn klappen könnte. Zunächst war alles super. Wir konnten sogar einige Runden „Spiel des Lebens“ spielen. Allerdings nach den ersten Raketen an Neujahr wurde erst die Tochter meiner Freundin wach, dann unsere Große und zum Schluss unsere Jüngste. Also standen wir vor einer Fensterfront jeder mit Baby auf dem Arm. Das sah bestimmt lustig aus und ich hätte gerne ein Foto gemacht, aber hatte keine Hand frei.

Was mir aber leider sehr negativ auffiel, war die ständige Präsenz des Smartphones meiner Freundin. Bei meinem Mann und mir war es eine Zeit lang nicht anders. Stets musste man irgendetwas wichtiges lesen oder kommentieren, während man „nur“ mit dem Partner spricht. Da wir unser Verhalten grundlegend verändert hatten, fiel nun umso mehr auf, wie doof man sich dabei fühlt, wenn immer dieses Ding dabei sein muss. Ich fand es sehr schade. Auch, als mein Mann und ich nach Neujahr, einkauften, sah ich zig Smartphones in dem Shopping-Center. Teilweise standen Freunde nebeneinander und tippten/starrten in ihre Telefone, anstatt zu kommunizieren.

Auf einmal kam eine plötzliche Leere in meine Gedanken. Ich wusste, dass ich etwas ändern möchte und versuchte, mindestens einen Tag, nicht ins Handy zu schauen. Vor allem wollte ich das Internet meiden. Ich dachte an die Anfänge des Internets. Früher habe ich das Internet genutzt, um mich zu informieren. Ab und zu bekam ich auch eine E-Mail. Dann ging es los, dass ich im Internet chattete und plötzlich war sie da…meine große Liebe. Sie entstand im Internet.

Doch sie ist nun real. Ich bin mit der Person zusammen. Ich liebe diesen einstigen Chat-Partner. Er ist mein Mann, meine Liebe und wir sind eine Familie.

Zusätzlich habe ich auch Kontakt via Facebook, WhatsApp zu Personen, die weit weg wohnen und mir dennoch sehr wichtig sind.

Meine Abstinenz verlief nicht gut. Anfangs fühlte ich mich super. Keine andauernde Reizüberflutung. Hier eine fixe Idee, da ein neues Rezept und unbedingt die neuste Wolle/Mode etc. kaufen!…NEIN! Es war Ruhe. Ich konnte mal wieder mich wahrnehmen. Was wollte ich gerade tun? Wie hört sich der Wind an? Wie klingt eigentlich unser Kühlschrank?…Es war sehr entspannend.

Aber plötzlich wurde mir bewusst, dass ich große Probleme bekomme, wenn ich wirklich mein Internet kaum noch nutzen würde. Ich könnte den Kontakt zu Personen verlieren, die eben kein Telefon haben oder einfach nicht in der Lage sind, mich zu treffen.

Ich weiß gerade nicht, wie ich aus der Misere herauskomme. Einerseits liebe ich das Internet für all die schönen Ideen, anregenden Gespräche, Lösungen…Aber andererseits habe ich das Gefühl, vom Internet mit Ideen und Möglichkeiten erschlagen zu werden. Zusätzlich empfinde ich die Freunde, die Gespräche als nicht „echt“. Ich kann so viel mit Menschen chatten, wie ich möchte, letztendlich sitze ich allein vor dem Computer/Smartphone.

Ja, ich bin sogar kurz davor, Facebook, Instagram zu löschen. Eventuell, wenn mein jetziges Handy kaputt geht, wieder ein ganz altmodisches Handy anzuschaffen. Wieso muss ich denn rundum die Uhr erreichbar sein? Wer oder was ist so wichtig, dass man neben seinem echten Leben auch noch ein virtuelles führen muss?

Ich bin mir der Ironie bewusst, dass ich gegen das Internet wetter, während ich einen Blogeintrag im Internet verfasse. Diese Gedanken mussten raus. Ich wünsche mir, dass nicht nur ich so denke, sondern vielleicht einige merken, dass es schöner ist, den Moment zu erleben, als unbedingt alles aufzunehmen/fotografieren…oder eben gar nicht mitzubekommen, da gerade der Bildschirm interessanter ist.

Wünsche euch einen schönen Jahresanfang und eine wolligen Mittwochabend

Liebe Grüße

Rini

 

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