Gedankenchaos beim Stricken (vorsicht sehr emotional)

Guten Abend ihr Lieben,

Das war vielleicht ein buntes Wochenende! Dank unserem neuen Auto war auf einmal so viel möglich, was vorher undenkbar gewesen wäre. Nach langer Zeit konnte ich endlich wieder meine Familie besuchen. Das war wirklich schön.
Nur sind meine Gedanken auch durcheinander. Eine geliebte Person liegt wahrscheinlich im Sterben…Ich kenne diese Person eigentlich kaum und doch gehört sie zu meiner Familie. Kennt ihr auch Personen, die eher im Hintergrund präsent sind, aber zu euch gehören? In den nächsten Tagen wird sich wohl entscheiden, wie es weitergeht. Zuletzt habe ich sie am Geburtstag meines Vaters gesehen. Wir haben gelacht und sie hat meine kleine Familie kennen gelernt. Wenige Tage später erfuhr ich von meinem Vater, dass die Person im Koma liege. Nun gab es Informationen, dass es sehr schlecht aussehe. Ich hoffe natürlich weiter, aber weiß in meinem Hinterkopf, wie aussichtslos das ganze ist. Eigentlich wollte ich euch nur von dem schönen Tag berichten, aber gerade schweifen meine Gedanken ab…Ich bin den Tränen nah und denke immer wieder an diese Person. Ich konnte sie bisher auch nicht im Krankenhaus besuchen und mein Mann riet mir auch davon ab, da er meint, es wäre klüger, die Person so in Erinnerung zu behalten, wie ich sie zuletzt am Geburtstag meines Vaters sah: Lustig, nett und lebensfroh.

Es klingt wahrscheinlich sehr makaber für viele, aber ich denke wohl jetzt gerade an das Ende, da ich am Ende meines linken Vorderteils angekommen bin. Das ist purer Schwachsinn, ein Ende eines Strickstückes in Verbindung mit dem allgemeinen Ende zu setzen. Dennoch komme ich von dieser Verknüpfung nicht los. Ich denke darüber nach, wie es wohl sein wird. Ich fühle, wie ich diese Person bald auf ihre letzte Reise begleiten werde. Ich sehe mich in dem schwarzen schrecklichen Kleid, was ich nun schon mehrfach tragen musste. Ich stell mir vor, wie merkwürdig es sein wird, dort zu sein, obwohl ich sonst kaum dort war. Ich habe angst vor den Blicken, die aussagen, dass ich eigentlich gar nicht dort sein sollte, da ich die Person eh kaum gekannt habe. Mehrere Jahre hatten wir gar keinen Kontakt…Und doch fühle ich diese Verbundenheit. Ich weiß, dass die Person sehr wichtig ist. Ich weiß, dass ich sie sehr lieb habe. Ich weiß, dass es dumm und vielleicht auch fies ist, in einem Strickbeitrag darüber zu schreiben..ich weiß es…
Aber was soll ich tun, wenn mich meine Gefühle eiskalt überwalzen? Wenn jede Faser in mir mit tiefer Verzweiflung, Wut und Trauer gefüllt wird, während ich hier zusammengekauert am Schreibtisch hocke? Ich wollte authentisch sein…Ich wollte immer schreiben, auch wenn es mal nicht alles toll läuft und wisst ihr was? Es tut gut. Ich brauche das. Ich brauche dieses Ventil für alles, was sich in mir anstaut.

 

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mein Bild, meine Arbeit, Anleitung von Dropsdesign

Das linke Vorderteil ist fertig. Ich habe es geschafft. Während der Autofahrt konnte ich die letzten Reihen stricken und abketten. Nun liegt das fertige Strickstück vor mir und ich empfinde keinen Stolz. Es ist eine Mischung aus Gleichgültigkeit und Trauer. Wahrscheinlich ist mir der Cardigan gerade egal. Die Trauer um diese eine Person nimmt jetzt sehr viel Platz ein. Normalerweise würde ich mich am Ende eines Strickstückes freuen und mir viele Gedanken um die letzten Kniffe machen. Aber ich muss immer wieder an diese Person denken….wie sie im Krankenhaus liegt und ich sie noch nicht ein einziges Mal besuchen konnte.

Ich habe dieses Thema lange versucht auszublenden. Doch es geht nicht mehr. Die Chancen sind so gering, dass Leugnen kaum noch etwas bringt. Ich werde mich verabschieden müssen. Wie kann man sich von jemandem verabschieden, den man kaum kannte? Den man eigentlich noch kennen lernen müsste?
Ich mach hier jetzt einen Themenwechsel. Erstens muss ich auf andere Gedanken kommen und zweitens geht es in diesem Beitrag um eine Strickserie.DSCN3020

mein Bild, meine Arbeit, Anleitung von Dropsdesign

Auf dem Bild seht ihr beide Vorderteile vereint. Das linke ist nicht breiter als das rechte. Es muss sich nur noch ein wenig ausliegen bzw. Ich muss beide Teile noch spannen. Bin mir aber noch nicht sicher, ob ich erst die Fäden vernäh und dann spanne oder andersherum?

 

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mein Bild

Ursprünglich hatte ich schon die Maschen für den 1. Ärmel angeschlagen. Leider stellte ich dann fest, dass es die falsche Farbe war. Die Ärmel werden vom Bund aus gestrickt und daher muss ich sie in dunkellila anschlagen. Also endet dieser Abend und Beitrag mit ein paar Vorsätzen:

1. Ärmel beginnen und meine „geliebten“ Krausrippen in Nadelstärke 4 stricken
2. Versuchen, dennoch positiv zu denken und mich von meiner Familie ablenken zu lassen.
3. Jeden Moment genießen!
Die nächste Zeit wird nicht leicht und mir einiges abverlangen, aber noch ist ein Funken Hoffnung da und vielleicht gibt es ja Wunder?
Ich geh wohl gleich schlafen und werde erst morgen weiter stricken.
Wünsche euch allerdings einen schönen wolligen Sonntagabend.
Liebe Grüße
Rini

2 Gedanken zu „Gedankenchaos beim Stricken (vorsicht sehr emotional)

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